WCAG & BFSG · WCAG-Referenz: Wahrnehmbar
WCAG 1.3.5: Eingabezweck bestimmen
Formularfelder, die Daten über den Nutzer selbst erfassen – Name, E-Mail, Adresse, Telefonnummer, Zahlungsdaten –, müssen ihren Zweck maschinenlesbar angeben. Praktisch heißt das im Web: das richtige autocomplete-Attribut aus der festen HTML-Tokenliste. (Englisch: Identify Input Purpose.)
| Stufe | Prinzip | Teil der WCAG seit | Rechtlich verbindlich? |
|---|---|---|---|
| AA | Wahrnehmbar | 2.1 (2018) | Ja – über EN 301 549 in BFSG & BITV |
Was verlangt das Kriterium?
Der Zweck jedes Feldes, das sich auf den Nutzer bezieht, muss programmatisch bestimmbar sein – anhand der in der HTML-Spezifikation definierten Zweck-Tokens. Ein sichtbares Label reicht dafür nicht (das kann „Ihre Mehl-Adresse“ heißen und kreativ formatiert sein); das Token ist eindeutig:
| Feld | autocomplete |
|---|---|
| Vorname / Nachname | given-name / family-name |
email |
|
| Telefon | tel |
| Straße + Hausnummer | address-line1 |
| PLZ / Ort | postal-code / address-level2 |
| Land | country-name |
| Geburtsdatum | bday |
| Kreditkartennummer | cc-number |
| Benutzername / Passwörter | username / current-password, new-password |
Wen betrifft es besonders?
Menschen mit kognitiven Einschränkungen und Gedächtnisproblemen: Der Browser füllt bekannte Daten automatisch aus – niemand muss die eigene IBAN auswendig können. Menschen mit motorischen Einschränkungen sparen mühsame Eingaben. Und Browser-Erweiterungen können Felder mit erkanntem Zweck um Symbole ergänzen – dafür brauchen sie die Tokens.
Richtig & falsch im Code
<!-- Falsch: kein Zweck erkennbar, Autofill rät -->
<label for="f1">Ihre E-Mail-Adresse</label>
<input id="f1" type="text" name="feld_1" />
<!-- Richtig: Typ + Zweck maschinenlesbar -->
<label for="email">Ihre E-Mail-Adresse</label>
<input id="email" type="email" name="email" autocomplete="email" />
Zwei Stolperfallen: autocomplete="off" auf Personendaten-Feldern verletzt das Kriterium praktisch immer (und wird von Browsern ohnehin ignoriert, wenn es um Logins geht). Und die Tokens gelten nur für Daten der nutzenden Person – ein Feld „Name des Empfängers“ braucht kein given-name.
So testest du es
- Formulare durchgehen: Hat jedes Personendaten-Feld ein passendes
autocomplete-Token (Liste: HTML-Spezifikation, Abschnitt Autofill)? - Praxisprobe: Formular im Browser mit hinterlegten Profildaten ausfüllen lassen – landen die richtigen Werte in den richtigen Feldern?
- axe meldet fehlende/ungültige Tokens unter „autocomplete-valid“.
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