WCAG & BFSG · WCAG-Referenz: Wahrnehmbar

WCAG 1.2.4: Untertitel (live)

Was 1.2.2 für aufgezeichnete Videos verlangt, fordert dieses Kriterium für Live-Inhalte: Livestreams, Webinare und Online-Events mit Ton brauchen Untertitel in Echtzeit. (Englisch: Captions (Live).)

Stufe Prinzip Teil der WCAG seit Rechtlich verbindlich?
AA Wahrnehmbar 2.0 (2008) Ja – über EN 301 549 in BFSG & BITV*

* Die EU-Richtlinie für öffentliche Stellen nimmt live übertragene zeitbasierte Medien ausdrücklich aus; wird die Aufzeichnung danach bereitgestellt, gelten die Regeln für aufgezeichnete Medien (mit Karenzfristen). Für BFSG-pflichtige Dienste zählt der Einzelfall – im Zweifel gilt das Kriterium.

Was verlangt das Kriterium?

Live-Untertitel müssen das Gesprochene und bedeutungstragende Geräusche zeitnah und hinreichend genau wiedergeben. Zulässige Wege:

  • Professionelle Schriftdolmetscher (höchste Qualität, üblich bei öffentlichen Veranstaltungen und Behörden-Streams),
  • automatische Spracherkennung (ASR) – inzwischen brauchbar für klare Einzelstimmen; bei Fachvokabular, Dialekt oder Panel-Diskussionen fehleranfällig. Für Konformität zählt das Ergebnis, nicht die Technik: unverständliche Auto-Untertitel erfüllen das Kriterium nicht.

Wen betrifft es besonders?

Gehörlose und schwerhörige Teilnehmer von Webinaren, Livestreams und hybriden Veranstaltungen – dazu jeder im lauten Umfeld. Live-Formate ohne Untertitel schließen in Echtzeit aus: Nachlesen geht erst hinterher, mitdiskutieren gar nicht.

So sieht die Umsetzung aus

  • Plattform-Funktionen nutzen: Die großen Konferenz- und Streaming-Plattformen bieten Live-Untertitel (automatisch oder mit eingebundenem Dolmetsch-Dienst) – vorher aktivieren und testen, nicht erst zur Veranstaltung.
  • Untertitel-Anzeige zugänglich machen: zuschaltbar, ausreichend kontrastreich, nicht von Bedienelementen verdeckt.
  • Vorbereitung hilft der Erkennung: Namens- und Fachbegriffslisten vorab an Dolmetscher bzw. ins ASR-Wörterbuch geben.
  • Danach: Aufzeichnung mit korrigierten Untertiteln und ggf. Transkript bereitstellen.

So testest du es

  1. Generalprobe mit eingeschalteten Untertiteln: Latenz unter wenigen Sekunden? Namen und Fachbegriffe korrekt?
  2. Aus Teilnehmersicht prüfen (nicht nur im Regie-Tool): Sind die Untertitel im verwendeten Player wirklich sichtbar und aktivierbar – auch per Tastatur?
  3. Verantwortlichkeit klären: Wer greift ein, wenn die Untertitelung während der Veranstaltung ausfällt?

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