WCAG & BFSG · WCAG-Referenz: Bedienbar

WCAG 2.5.3: Beschriftung im Namen

Bei Bedienelementen mit sichtbarer Text-Beschriftung muss der zugängliche Name den sichtbaren Text enthalten – idealerweise beginnt er damit. Steht auf dem Button „Jetzt kaufen“, darf sein aria-label nicht „Zur Kasse“ heißen. (Englisch: Label in Name.)

Stufe Prinzip Teil der WCAG seit Rechtlich verbindlich?
A Bedienbar 2.1 (2018) Ja – über EN 301 549 in BFSG & BITV

Was verlangt das Kriterium?

Der „zugängliche Name“ (accessible name) ist das, was assistive Technologien für ein Element ansagen bzw. adressieren – berechnet aus Textinhalt, <label>, aria-label/aria-labelledby oder alt. Das Kriterium verlangt Deckung mit dem Sichtbaren, aus zwei Gründen:

  1. Sprachsteuerung: „Klicke Jetzt kaufen“ sucht den gesprochenen (= sichtbaren) Text im zugänglichen Namen. Weicht er ab, findet die Software nichts.
  2. Konsistenz für Screenreader-Nutzer, die sehen und hören: Ansage und Anzeige dürfen sich nicht widersprechen.

Wen betrifft es besonders?

Nutzer von Dragon, Voice Control und Voice Access – Menschen mit motorischen Einschränkungen, die per Stimme klicken. Für sie ist ein abweichender Name kein Schönheitsfehler, sondern ein toter Button.

Richtig & falsch im Code

<!-- Falsch: aria-label ersetzt den sichtbaren Text -->
<button aria-label="Bestellung abschließen">Jetzt kaufen</button>

<!-- Richtig: kein ARIA nötig – sichtbarer Text ist der Name -->
<button>Jetzt kaufen</button>

<!-- Richtig, wenn Ergänzung nötig: sichtbarer Text am Anfang -->
<a href="/bericht-2025.pdf">
  Jahresbericht<span class="visually-hidden"> 2025 als PDF, 2 MB</span>
</a>

Merkregel: Erst gar kein aria-label auf Elemente mit sichtbarem Text. Der Textinhalt ist der beste zugängliche Name; ARIA ist für die Fälle ohne sichtbaren Text (Icon-Buttons) da – und dort beschreibt der Name, was man sieht bzw. was es tut.

So testest du es

  1. Automatisch: axe prüft „label-in-name“-Verstöße direkt.
  2. DevTools: Im Accessibility-Panel den „Computed Name“ jedes beschrifteten Bedienelements mit dem sichtbaren Text vergleichen.
  3. Praxisprobe: Voice Control (macOS/iOS) oder Voice Access (Android) aktivieren und die sichtbaren Beschriftungen ansprechen – „Klicke …“.

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